Der Professional Bachelor ODEC - eine Erfolgsgeschichte

international

Vor 12 Jahren sorgte der ODEC für einen Paukenschlag: Er führte die Verbandsbezeichnung „Professional Bachelor ODEC“ ein. Träger dieses Titels erhalten ein Zertifikat auf Englisch, das den HF-Abschluss international verständlich macht, und sie werden im öffentlichen Register HF aufgeführt. Voraussetzung: Man muss ODEC-Mitglied sein.

Gleich bei der ersten Registrierung im Oktober 2006 erhielten über 220 ODEC-Mitglieder den Professional Bachelor ODEC. Die meisten von ihnen sind noch heute Mitglieder im Verband. So etwa Gabriela Elmer, die 2006 zu den wenigen Frauen mit dem Professional Bachelor ODEC zählte. Ihr Beweggrund für diesen Schritt: Sie wollte sich alle Optionen offenhalten, wozu auch ein Job im Ausland zählte. Obwohl die Technikerin HF Bauplanung ihre Berufskarriere bei den SBB vorantrieb und deshalb in der Schweiz blieb, ist sie nach wie vor Trägerin des Professional Bachelor ODEC. Bei Jörg Fuhrer hingegen war die Verbandsbezeichnung ein wichtiger Türöffner: „Ich benötigte ein Englisches Diplom, da ich im Ausland arbeiten wollte.“ Der Techniker HF Maschinenbau erhielt dank dem Professional Bachelor ODEC sein Arbeitsvisum für China, wo er seit sechs Jahren mit einem Unterbruch lebt. Und: Das Zertifikat half ihm, in Malaysia sur Dossier in die Universität aufgenommen zu werden. Bei Laurence Favre war das Auslandabenteuer eine vorübergehende Geschichte. Die 31- jährige Tourismusfachfrau bewarb sich nach ihrem HF-Abschluss für ein Praktikum in Norwegen. „Der Titel hat bestimmt zur Verständigung beigetragen“, ist Favre überzeugt. Sie erhielt die Praktikumsstelle, kehrte später aber wieder in die Schweiz zurück.

Gegen die Akademisierung der Berufsbildung
Für den ODEC war allerdings klar, dass es mit einem Verbandstitel nicht getan ist. Der Einsatz des ODEC für einen offiziellen HF-Titel, der die hohe Qualität des Abschlusses zum Ausdruck bringt und auch im Ausland anerkannt wird, ging weiter. 2014 wurde unter der Bundeshauskuppel über eine Motion von Nationalrat Matthias Aebischer debattiert. Diese verlangte vom Bundesrat, die Abschlüsse der Höheren Berufsbildung aufzuwerten und zu diesem Zweck moderne Titel einzuführen, welche die Gleichwertigkeit mit anderen schweizerischen und ausländischen Titel der Tertiärstufe herstellen. Aebischer schlug Titel wie „Bachelor HF“ oder „Berufs-Bachelor“ vor. Der Nationalrat stimmte dem Vorhaben zu, der Ständerat wollte allerdings nichts davon wissen. Die Sache war damit vom Tisch – trotz intensiver Lobbying-Arbeit seitens des ODEC und anderer Befürworter. Die Argumentation: Es solle keine Titelvermischung und keine akademischen Titel in der Höheren Berufsbildung geben.

Die offizielle Übersetzung des HF-Titels taugt wenig
Zehn Jahre nach der Einführung des Professional Bachelor ODEC war es dann soweit: Die Diplomierten HF erhielten vom Bund endlich eine offizielle englischsprachige Übersetzung. Ein „Advanced Federal Diploma of Higher Education“ dürfen sie seit 2016 in ihrem CV führen. Eine Lösung, die für viele unbefriedigend ist. Denn das Ausland kennt solche Titel nicht. „Der HF-Abschluss wird auf dem gleichen Niveau wie der Bachelor einer Hochschule eingestuft, deshalb finde ich es wichtig, dass der Titel die Bezeichnung Bachelor enthält“, sagt etwa Laurence Favre. Und auch Jörg Fuhrer findet den Professional Bachelor verständlicher, er meint sogar: „Der HF-Abschluss sollte als ganz normaler Bachelor übersetzt werden.“

Es verwundert deshalb kaum, dass der Professional Bachelor ODEC eine Erfolgsgeschichte ohne absehbares Ende ist. 12 Jahre nach der Lancierung sind mehr als 1'100 ODEC-Mitglieder im Besitz des Verbandstitels; Anmeldungen dafür und Anfragen zur internationalen Verständlichkeit und Anerkennung des HF-Titels erreichen den ODEC jede Woche. Zum Beispiel die Frage von Jörg Fuhrer: Wie kommt man als HF-Diplomierter in den Besitz des offiziellen Advanced Federal Diploma of Higher Education? Beim SBFI heisst es dazu: „Einen nachträglichen Diplomzusatz muss gebührenpflichtig beim SBFI beantragt werden.“ Und wenn jemand eine Übersetzung des Diploms selbst brauche, dann müsse dieses von einem Übersetzer erstellt werden. „Hier kann selbstverständlich der neue englische Titel verwendet werden.“ Da bleibt Jörg Fuhrer lieber beim Professional Bachelor ODEC.

Weitere Informationen:

Soweit die neuen englischen Titel schon feststehen, sind sie im Berufsverzeichnis des SBFI  aufgeführt.

Alles zum Professional Bachelor ODEC sowie das Antragsformular finden Sie hier.